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Bewegungspausen bei ADHS

Eine Binsenwahrheit bei ADHS ist, dass Kinder Bewegung und „Aus-Zeiten“ benötigen. Gut, sie können mit ungelenkter Freizeit bzw. Pausen vielleicht nicht gut umgehen. Aber sie benötigen eben Bewegung, Sport bzw. einfach Toben, um sich „richtig machen zu können“.

Nun ist es ein häufiges Phänomen, dass in der Schule bzw. bei Hausarbeiten gerade gefordert wird, dass man solange ruhig sitzen bleiben soll, bis die Aufgabe erledigt ist. Wir wissen, dass ADHSler länger brauchen, um gerade simple oder langweile Aufgaben erledigen zu können. Häufig bestraft man sie dann auch noch mit Nachsitzen, statt ihnen Bewegungspausen zu ermöglichen.

Das gleiche Phänomen tritt dann bei den Hausaufgaben auf, bei denen sie länger als die Klassenkameraden brauchen und damit weniger Zeit für Bewegung und Toben haben.

Leider wird dann häufig gerade das an Freizeit gestrichen, was ihnen Spass, bzw. auch Abhilfe gegen den inneren Druck bringen würde: Sport und Bewegung.

Eigentlich müsste man genau umgekehrt vorgehen: Statt eine Begrenzung von Bewegung zu versuchen, sollte man als Belohnung Bewegungspausen von fünf oder 10 Minuten abmachen. Also mehr statt weniger Bewegung. Und natürlich Hausaufgaben so gestalten, dass sie nicht zur Einschränkung von Freizeit führen.

Mehr dazu auch in diesem interessanten englischsprachigen Beitrag.

ADHS, Hausaufgaben und Tafelmitschriften

Piero hat ja gerade über das Arbeitsgedächtnis geschrieben. Daran knabbere ich auch …

Wenn ich an der Bearbeitung von Arztbriefen bin, fällt es mir bisweilen ausgesprochen schwer, mir auffällige Laborwerte aus den Befunden solange zu merken, bis ich sie in den Brief einfügen muss. Das sind in aller Regel nicht Tage, Wochen oder Monate. Es sind Sekunden, vielleicht sogar nur Millisekunden. Immer wieder muss ich kurz nochmal nachschauen, ob ich nicht einen „Dreher“ habe. Ich habe keine Zwangsstörung, ich muss also nun nicht immer und immer wieder Kontrollzwänge ausführen.

Mein Arbeitsgedächtnis scheint nur etwas zu gering ausgefallen zu sein oder eben anders zu arbeiten als bei den „Stinos“.

Nun könnte man natürlich gleich die Laborwerte als Schnittstelle in die Arztbriefe einfügen lassen. Das würde Abschreibfehler reduzieren. Würde normalerweise auch überall funktionieren, nur bei uns halt nicht.

Ähnlich schwer scheint es für Kinder mit ADHS zu sein, Anweisungen von Lehrer/-innen mündlich zu erfassen bzw. von der Tafel in ein Hausaufgabenheft zu übernehmen. Sollte doch eigentlich ganz einfach sein …

Aber bei diesem „Kopiervorgang“ müssen die Schüler eben zunächst mit den Augen wahrnehmen, aber die Information dann im Arbeitsgedächtnis des Kopfes solange zwischenspeichern, dass sie es dann der Reihe nach auf das Papier schreiben können. Dazu müssen die Kids parallel aufpassen, wo sie gerade beim Schreiben sind bzw. wo sie an der Tafel gerade aufgehört hatten. Im Prinzip muss also einerseits der Prozess des Lesens an der Tafel parallel zum Schreiben auf Papier erfolgen.

Nun können aber ADHSler mit Unterbrechungen schlecht umgehen bzw. über die Fehlerkorrektur nur ungenügend erkennen, was sie noch vergessen haben. Das ständige Hin- und Her zwischen Tafel und Heft kann da schon zu Problemen führen (falsche Zeile, Worte auslassen etc).

Wenn dazu die Lehrerin noch über den Hörkanal (auditiver Kanal) eine Anweisung oder Erklärung gibt, wäre bei mir schon „overload“, d.h. ich, wäre ich noch Schüler, würde vermutlich abschalten.

Nun gibt es Schüler (ich meinte damals immer eher, dass nur Mädchen das können), die haben ein bildliches Gedächtnis. Also eine Art Foto von der Tafel. Das hätte ich auch gerne, klappt aber bei mir leider nicht.

Hilfreich wäre, wenn die Lehrerin eine Art Zusammenfassung bzw. zumindest die Arbeitsaufgaben an die Schüler verteilt.

Sollte das nicht möglich sein, sollte eine Möglichkeit zur Aufzeichnung (Kassettenrekorder, ggf. Handy) möglich sein, so dass das Kind (oder die Eltern) die Aufgaben nochmal nachhören können.

Sollte das nicht möglich sein, wäre ein „Buddy-System“ zu diskutieren. Also die Möglichkeit, dass ein Mitschüler eine Art Zusammenfassung der Stunde macht und eben Aufgaben und wichtige Informationen nochmal für den ADHSler notiert und für Fragen zur Verfügung steht.

Wichtig wäre aber, dass Hausaufgaben eben nicht nach dem Klingelzeichen, sondern prominent als WICHTIG markiert im Unterricht erscheinen. Und danach nochmal zusammengefasst wird, was heute in der Stunde dran war.

Ich persönlich fand es schon früher ungerecht, dass nicht Leistung, sondern Gedächtnis bewertet wurde.

ADHS Mappenführung 3. Klasse

Ehrlich gesagt: Ich ärgere mich gerade mal wieder. Einerseits über meinen Sohn, dann aber auch über die Schule.

Mein Sohn geht in eine 3. Klasse. Er sollte ein Postmappe erstellen.

Nun erschliesst sich mir nicht sofort, was eine Postmappe ist. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich mit der „Schneckenpost“ so überhaupt keinen Kontakt mehr habe. Und unter Postmappe eher einen Hefter verbinde, in der ich Mitteilungen der Lehrerin an die Eltern bzw. von den Eltern an die Schule erwarte.

Nööööööööhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh

Die Kinder sollten eine eigene Mappe im Sachunterricht zum Thema Post erstellen.

Soweit so gut. Eigentlich wäre das ein schönes Thema für ein Kind, wenn es denn sich an die Aufgabe erinnern könnte.

Nun mag es Kinder geben, die sich an eine mündliche Anweisung einer Lehrerin erinnern können und diese umsetzen. Und andere Kinder, die das nicht können. So wie eben mein Sohn.

Dann muss er aus der Erinnerung erschliesse, was die Lehrerin wohl haben wollen könnte. Nun könnte ja die Lehrerin, diese ihre Gedanken auch auf einem Arbeitsblatt zu Papier bringen. Vorausgesetzt mein Sohn würde dieses Arbeitsblatt auch mitbringen, wäre dies eine grosse Hilfe.

Wäre aber Arbeit für die Lehrerin. Und die Kinder waren ja im Unterricht.
Wenn es eine Postmappe (oder vielleicht internetgestütztes Hausaufgabensystem) gäbe, könnte man das als Eltern kontrollieren und üben. So eben nicht.

Nun hat er eine 5 bekommen. Kein Beinbruch. Aber ich ärgere mich über die verpasste Chance

Die Bewertungskriterien verstehe ich nicht. So fehlten eine Postkarte, eine Briefmarkenserie und irgendwas, was ich nun nicht entziffern kann.

Und noch einige andere Aufgaben, die er eben sich nicht mehr erschliessen konnte.

Negativ bewertet wurde, dass er die Mappe nicht pünktlich abgab. Weil er nicht wusste, was er tun sollte. Vermutlich hat er auch Arbeitsblätter nicht abgeftet, weil er ja nicht wusste, dass es eine extra Mappe geben würde. Also fledderten die Blätter sonstwo rum.

Negativ bewertet wurde ebenfalls, dass er nicht selbstständig eine zusätzliche Aufgabe auswählte und sie bearbeitete (was ich als Kind auch nicht gemacht hätte, wenn es denn freiwillig ist). Und von 3 Zusatzaufgaben ist auch nirgendwo die Rede, wird aber negativ bewertet …

Ich fände es gut, wenn Kinder frühzeitig Struktur und Mappenführung üben würden. Ich finde es nicht gut, wenn dies nicht geübt und angeleitet bzw. von Eltern unterstützt werden kann. Und ob ich in der 3. Klasse eine Postmappe hätte erstellen können bzw. die Gedanken meiner Lehrerin Frau Stackmann erraten könnte? Nun, damals hatten wir noch Arbeitsblätter. Irgendwie in Blau mit irgendeinem komischen Papierverfältigungsverfahren extra erstellt (keine Ahnung, wie das damals hiess). Immerhin konnte meine Mutter überprüfen, was wir gemacht haben. Und ich konnte lesen, was wir gerade machen sollten.

Schade. Schade, dass die Lehrerin da nicht mit den Eltern zusammenarbeitet und Rückmeldung gibt.

Calvinismus: Weisheiten von Calvin und Hobbes (Teil 1)

Eine Pflichtlektüre im Bereich ADHS sind natürlich die Lebensweisheiten von Calvin und Hobbes.

Heute:

Calvin: “Ich finde, wer am Ende des Tages keine grünen Knies hat, sollte sein Leben ernsthaft überdenken.”

Wie wahr. Kids haben heute Ganztagesschule. In der sie dann ihr Leben ernsthaft überdenken sollen und / oder sich auf den Ernst des Lebens vorbereiten. Und das mit 12 oder noch früher. Wenn das nicht reicht, werden sie zum Psychologen weitergereicht.

Schule und Hausaufgaben sind zwei Gründe, warum Kinder mit ADHS (bzw. ihre Eltern) den meisten Stress untereinander haben. Da die Kids dann länger als ihre Kumpel an den Hausis sitzen, statt in der Natur sich die Knieaufzuscheuern bzw. sich und die Umwelt im Spiel zu entdecken. Dann werden schlaue Artikel bzw. Forschungen gemacht, dass „grün“ nun eine Therapie gegen ADHS sei. Wobei wohl Natur und Spiel und nicht die Farbe gemeint ist.

Wussten Calvin und Hobbes auch schon. Dafür brauchen wir nicht unbedingt Psychotherapeuten. Beim Psychologen holt man sich keine grünen Knies.

Dabei wäre alles so einfach …

Eines der wirksamsten Hilfsmittel gegen ADHS-bedingten Ärger von Schülerinnen und Schülern ist das Hausaufgabenbüchlein (Rating AAA+).

Zumindest theoretisch.

Denn leider gibt es Vollzugsprobleme. Als da wären:

  • Kind vergisst, die Aufgaben einzutragen.
  • Nur die Hälfte der Aufgaben wurden notiert.
  • Die Lehrperson kontrolliert die Eintragungen im Hausaufgabenbüchlein nicht.
  • Die Lehrperson weigert sich, das Hausaufgabenbüchlein zu kontrollieren („in diesem Alter muss das Kind das können!“).
  • Kind vergisst, das Hausaufgabenbüchlein zum Beginn der „Husi“ aus dem Schulrucksack zu kramen.
  • Die Mutter fragt nicht nach dem Hausaufgabenbüchlein.
  • Kind kann seine eigene Schrift nicht lesen.
  • Mutter kann nur die Hälfte des Gekritzels im Hausaufgabenbüchlein dechiffrieren.
  • usw.

Dabei wäre alles sooo einfach. In der Schweiz kann jede Lehrperson am Lehrerpult ins Internet. Via Educanet ist sind alle Schulen, alle Schülerinnen und Eltern untereinander vernetzt (zumindest bestünde die Möglichkeit dazu). Ein Hausaufgabenbüchlein könnte online installiert, von der Lehrkraft geführt und von den Eltern eingesehen werden. All das wird viel zu wenig genutzt.

Für Schüler/-innen mit einer ADHS wäre es ein Segen, würde das Hausaufgabenmanagement endlich, endlich vereinfacht.

ADHS Väter und Kinder

Am Montag hatten wir wegen der Einschulung unseres „entwicklungsgestörten“ Jüngsten einen Termin bei der Schulleitung der Grundschule, da wir eine sog. Integrationsklasse beantragen wollten. Schwierig, schwierig…
Nun kannte die Schulleiterin aber auch meinen älteren Sohn, der in die 3. Klasse geht. Sie meinte, die Ähnlichkeit mit mir ist nicht zu leugnen. Was sie ausnahmsweise positiv meinte. Ich bin sehr stolz auf meinen Ältesten. Nicht nur äußerlich sehen wir uns ähnlich. Beim flüchtigen Anschauen seiner Diktate und Mathearbeiten sah ich die gleichen Fehler und Stärken, die ich damals auch schon in der 3. Klasse hatte.

Nun haben weder mein Grosser noch ich eine „ADHS-Diagnose“. Er zählt zu den „guten“ Schülern. Was dann wieder einen gewissen „Druck“ hinsichtlich Gymnasialempfehlung bedeutet. Angeblich gibt es da inzwischen „Mindestnoten“, die man erreichen muss. So ein Quatsch ! Ich bzw. wir machen ihm hoffentlich diesen Druck nicht. Aber scheinbar wird das gefordert. Die Klassenarbeiten in der Grundschule ähneln irgendwie Examina, die möglichst „objektiv“ die Leistung abbilden. Und damit die individuelle pädagogische Förderung bzw. den Leistungs- und Förderungsstand der Kids aus den Augen verlieren.

Die Fehler, die er macht sind schlicht Flüchtigkeitsfehler oder aber Verständnisfehler, die aus einer dämlichen Aufgabenstellung der Lehrer resultieren. Die darf ein Kind machen, findet auch seine Lehrerin. Bis sie ihm dann die Fehler anstreicht. Die Kinder lernen da nichts draus. So wie bei mir eben auch die Korrekturen dann häufig neue Flüchtigkeitsfehler enthielten. Nicht weil ich nicht wusste, wie man es schreibt. Sondern, weil ich nicht genau genug eine Kontrolle vorgenommen hatte, weil ich doch WUSSTE wie es geschrieben wird (es aber nicht geschrieben HABE).
Beispielsweise mal üben, wieder zurück zur Aufgabenstellung oder merken, dass man abschweift. Ich habe es damals jedenfalls nicht gemerkt, wenn ich quasi in diesen Flüchtigkeitsfehlermodus wechselte. So wie ich ja auch beim Beiträgeschreiben hier häufiger mal das Thema wechsle…

In einer Klassenarbeit aus mehreren Teilen, die auch noch getrennt bewertet wurden, hat er dann in Rechtschreibung eine noch 2, eine 3 und eine 1. Je schwerer die Worte, desto besser die Leistungen. Er gehört zu den Kindern, die in der 1. und 2. Klasse nach Gehör schreiben sollten. Also Kraud und Rühbben. (Wenn wir hier nicht Chris für die Korrekturen hätten, wäre der Blog wirklich unlesbar, weil ich ja auch dazu neige….).

Ich kenne mich halt in meiner eigenen Erfahrungswelt inzwischen gut aus. Ich beschäftige mich ja schliesslich auch beruflich mit Ablenkbarkeit, Lernstörungen etc. Aber wie geht es anderen ADHS-Vätern ? Die würden doch mehr oder weniger auf „Durchzug“ stellen, wenn nun ihr Kind sich so wie sie selber in der Schule zeigt. Nur vielleicht nicht im oberen Drittel der Klasse, sondern am Ende. Dann wäre aber eine intensive Förderung auch zu Haus angesagt. Wenn man sich dann aber als Vater mit dem Thema beschäftigt, würde unweigerlich eben auch die eigene Schulerfahrung hochkommen. Häufig auch Gefühle von Wut, Scham, Angst. Manchmal berechtigt, häufig aber eben auch unberechtigt, weil halt ADHSler ja wirklich häufiger mal in Fettnäpfchen tappen bzw. Sachen vergessen. So wie vergessene Hausaufgaben. In einem Buch von Ari Tuckman las ich dazu gerade : Das Vergessen der Hausaufgaben oder Arbeitsblätter abzugeben, die man GEMACHT hat, ist für ihn das sicherste Zeichen auf ADHS bei Schülern. Es macht schlicht keinen Sinn, zu Haus mühsam und meist länger als andere Schüler an den Hausis zu sitzen und sie dann zu vergessen…

Mein Ältester soll heute auch ein Schreiben an die Schulleiterin abgeben. Noch im Auto haben wir ihn daran erinnert, aber wenn ich es gewesen wäre, hätte ich es auf dem Weg in die Schule vergessen… Ich nehme noch Wetten an, ob er es besser macht als sein Papa.