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Pädagogische Gartenzwerge

Vorweg: Es gibt ganz ganz tolle Erzieherinnen und Lehrer und ich finde es eigentlich müssig, nun über Lehrpersonenin Hinblick auf ADHS und Entwicklungsstörungen zu schelten. Und doch kann ich mich da (syndrombedingt ?) mal wieder nicht so zügeln, wie ich es eigentlich von mir und anderen erwarten würde / müsste.

Worum geht es? Uns allen sind wohl schon Menschen begegnet, die Einfluss auf unsere Kinder bzw. auch auf uns selbst haben, die über den geistigen Horizont mit einem Radius von Null verfügen. Ihr eigener Standpunkt wird als Mass aller Dinge genommen. Sie sind in etwa so flexibel und weitsichtig wie ein Gartenzwerg.

Meinem kleinen Sohn widerfuhr nun beispielsweise vor den Herbstferien ein unschönes Erlebnis mit einer „Sport-Lehrerin“. Diese Dame war bzw. ist der Meinung, das Seilspringen essentiell für Kinder ist. Das mag sein, auch wenn ich als Arzt vielleicht nicht ausreichend die Bedeutung des Seilspringens für die schulische Karriere von Kindern beurteilen kann.
Klar ist nur, dass mein Sohn eine sog. Dyspraxie hat und u.a. deshalb die Klasse eine sog. Integreationsklasse ist. Er hat eine Schulbegleitung, da er eben speziell im Bereich der Koordination und motorischen Entwicklung (aber nicht nur dort) schwere Entwicklungsrückstände aufweist.

Soweit – so schlecht.
Nun schafft es diese Lehrerin aber, meinem Sohn Angst vor dem Sportunterricht zu machen. Das geht soweit, dass er nicht mehr zur Schule gehen wollte bzw. mit psychosomatischen Symptomen reagierte.

Glücklicherweise kamen die Herbstferien. Ich kann es mir glücklicherweise leisten, häufiger als andere Familien in Urlaub mit meiner Familie zu fahren. Und diesmal waren wir in einem Hotel mit einem Kinderclub. Erstaunlicherweise wollten sowohl mein „Grosser“ wie auch der „Kleine“ (12 und 10) da hin. Und dies war für mich umso erstaunlicher, weil dort eigentlich jeden 2. Tag irgendwelche Olympiaden mit körperlichen Übungen (vom Einbeinstehen, Teebeutelweitwurf bis eben Seilspringen) auf dem Programm standen.
Die 17- bzw. 23-jährigen Animateure haben es aus mir völlig unbegreiflichen Gründen geschafft, wie selbstverständlich jedes Kind zu integrieren. Und zwar so, dass ihnen das Programm da Spass gemacht hat und sie jeweils individuellle Fortschritte als Anreiz zurück gemeldet bekommen haben.

Und ganz nebenbei hat mein Sohn dann sogar seine Motorik und Koordination verbessert. Bis die Schule jetzt wieder los geht …

Sicher, das ist Urlaub. Aber es ärgert mich, dass wir immer wieder erst im Urlaub dann Fortschritte erleben. Das war ähnlich beim Schwimmen und anderen angeblich essentiellen Dingen, die letztlich nicht nur mit Bewegung, sondern viel mehr mit Annahme des Anderssein, einem individuellem Lern- und Entwicklungstempo und eben unterschiedliche Fertigkeiten zu tun hat.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kinder solche pädagogischen Gartenzwerge sofort erkennen und instinktiv nicht mögen.
Das ist dann eine Ablehnung auf Gegenseitigkeit.
Diese LEER-Kräfte beschweren sich dann bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit darüber, dass die Kinder zu laut oder sonstwie störend sind.

Aus meiner bescheidenen Sicht sollte es zum pädpagogischen ABC gehören, dass man als Lehrer RUHE in eine Klasse bekommt. Diesen Gartenzwergen misslingt es in der Regel von der ersten Minute ihres pädagogischen Da-Seins.

Eine weitere Forderung seitens der Schüler an Lehrer sollte sein, dass sie gerecht sind. Auch diese Fähigkeit spielt aus dem Blickwinkel des Gartenzwergs natürlich keine Rolle. Im Gegenteil: Gerechtigkeit bedeutet eher, dass man alle Schüler mit Verachtung und Ablehnung gleich behandelt.

Aber genug von diesem Frust …

Was mir dann auffällt: Genau diese Lehrpersonen tauchen dann bei mir mit dem Ende der Ferien in der medizinischen Reha wegen „Burnout-Syndrom“ auf. Sie könnten mit Anfang 50 keine Kinder mehr ertragen, weil diese zu unmotiviert, zu laut und überhaupt falsch wären. Die Ferien würden nicht ausreichen, sich zu erholen (Wovon ?).

ich bekomme da so einen Hals ….

Leider ist es aber so, dass man die Schulen nicht so einfach von diesen Gartenzwergen befreien kann. Im Gegenteil: Je länger sie auf ihrem Platz verharren, desto mächtiger werden sie.

Wie geht Ihr mit dieser Sorte Lehrer / Erzieher um ?

Selbstüberwachung (Teil 1b) und Sponsoring

Eigentlich wollte ich ja schon bei Teil 2 zum Thema Selbstüberwachung und Exekutivfunktionen sein. Der Kommentar von Anita zum ersten Teil hat aber noch ein wenig (Er-)Klärungsbedarf bzw. Gedankenwirrwarr bei mir erzeugt, den ich hier mir von der Seele schreiben möchte.

Ich sehe es auch so, dass im Wesentlichen die Eltern (sprich hier meist die Mama) quasi als Ersatz-Frontalhirnfunktion präsent sein muss. Zwangsläufig und sei es nur als eine Art „Aufmerksamkeits-Fokus“, der im Hintergrund eine andere Tätigkeit (in Vorträgen sage ich immer „Bügeln“) erledigt, aber allein schon durch die Anwesenheit eine Form der Selbstüberwachung bzw. Aufmerksamkeits-Fokussierung ermöglicht, die das ADHS-Kind allein nicht leisten könnte.

Sehr richtig ist aber auch der Hinweis, dass die Mama dann bei den geringsten Störungen des normalen Ablaufs (beispielsweise durch ein Verständnisproblem, Irritationen oder fehlende Unterlagen aufgrund „loser Blätter“ ) sofort „sprungbereit“ sein muss, damit das Lernen überhaupt möglich bleibt und das Kind nicht in einem Absturz oder Wutanfall aussteigt und aufgibt.

Das wäre für sich genommen schon ein Grund, Pflegestufe bzw. Pflegegeld für sein ADHS-Kind zu fordern, da genau dieser erhöhte Kontrollbedarf als Pflege gezählt wird. (Leider ist dies aber bei „reinem“ ADHS bisher noch nicht so in die praktische Umsetzung der Gutachter vorgedrungen). Auf jeden Fall ist es extrem energieraubend dies ständig und immer auf Abruf leisten zu sollen. Speziell wenn man selber ADHS-Betroffene ist bzw. die eigenen Exekutivfunktionen gerade durch weitere Stressoren und / oder Schlafmangel gerade nicht ihre beste Zeit haben.

Ich bezeichne diese ständige Kontrolle bzw. „Nach-Hilfe“ gerne auch als Sponsoring. Eigentlich ist es aber ein „Ausleihen“ von Hirnfunktionen, die das Kind, der Jugendliche oder der Lebensgefährte nicht leistet, weil er / sie sie nicht leisten kann.

Es geht aber um Handlungsstrategien und letztlich eine Anleitung zur Vorplanung bzw. Herausarbeiten der relevanten Informationen, damit das Wissen angewendet bzw. überhaupt geübt und damit generalisiert  werden kann.

Häufig genug muss man dann aber eben auch als Tröster bzw. „Psychologe“ als Eltern Wunder vollbringen, damit das Kind wieder in den Prozess des Lernens einsteigen kann.

Neuropsychologische Defizite haben nichts mit Intelligenz oder Wille  zu tun

Grundsätzlich meinen viele Erzieher, Ergotherapeuten oder gerade Lehrer, dass das Kind doch „intelligent genug sein müsste“, um die Aufgaben allein zu erledigen. Keine Frage, an der Intelligenz mangelt es (dem Kind) nicht. Zumindest ist das nicht der Punkt, der die Probleme erklärt. Ebenso ist es eine Frage von Wollen oder Nicht-Wollen.

Unter den ADHSlern gibt es intelligente wie weniger intelligente, kreative oder eben weniger kreativ talentierte Menschen. Darum geht es nicht.
Es lässt aber auf ein tiefes Unverständnis bzw. Nicht-Verständnis von den Handicaps bei Teilleistungs- und Lernstörungen bzw. eben ADHS- und Autismus-Spektrumproblemen schliessen, wenn nun eine Selbstständigkeit  und eben eine Handlungskontrolle eingefordert wird, die dieses Kind eben nachweislich nicht bringen kann.

Das zu frühe Einfordern von Eigenständigkeit und eigener  Handlungskontrolle über sein eigenes Tun ist der sicherer Untergang für ADHSler.

Anita schreibt in ihrem Kommentar zu Teil 1 völlig richtig:

Die Handlungsplanung muss bei meinen Kindern über einen viel längeren Zeitraum kontrolliert und geübt werden, bevor sie “reibungslos” funktioniert. Aber vermittel das mal einem Lehrer, der Deine Kinder als “zu intelligent” für solch kleine Schritte einschätzt.

Besonders bitter (für das Kind) ist dann, wenn als Vergleichsmaßstab ein Geschwisterkind bzw. Mitschüler herangezogen werden, die neurotypisch veranlagt sind, möglicherweise aber strohdumm. Die aber anscheinend ohne Probleme durch die Schule kommen.

Hier werden dann Äpfel mit Birnen verglichen bzw. ein bitterer Un-Sinn verzapft.

Im Prinzip müssen ADHS-Kinder gefordert und gefördert werden. Also eher eine zu kniffelige Aufgabe bzw. eine Herausforderung, die aber handlungsorientiert, kleinschrittig und plausibel ist statt immer und immer wieder eine (zu) einfache monotone Aufgabe, die sich das Kind selber herleiten soll, aber nicht kann.

Einfach oder schwer sind hier die falschen Dimensionen zum Verständnis der Problematik.

Wieviel Unterstützung braucht das Kind von mir noch ?
Natürlich stellt sich dabei immer die Frage, wieviel Sponsoring braucht das Kind noch gerade.

So wenig wie möglich, so viel wie nötig.

Ungünstig ist es sicher, wenn nun über den idealen Einsatz der Mutter und vielleicht noch Nachhilfe bei Schulleistungsproblemen in der Schule das Kind bzw. Jugendlicher durchgeschleppt bzw. getrieben wird. Aber letztlich selber überhaupt nicht die eigenen Voraussetzungen im Bereich des Lernens bzw. der höheren Handlungsfunktionen hat, um dann weiterführend in der Lehre oder einem Studium klar zu kommen. Egal, wie intelligent das Kind nun sein mag.

Ich habe aber auch mehrfach erlebt, dass sich selber Schüler mit einem Abschluss von 1,4 oder 1,5 im Abitur als „dumm“ ansahen, weil sie eben eigentlich den Lernstoff nun auf Lücke verinnerlicht hatten und sofort nach der Prüfung wirklich „Null-Ahnung“ mehr hatten. Aber eben mit Unterstützung bzw. sehr rigider Selbstüberforderung sich durch die Anforderungen durchgequält haben.

Ich glaube, sie hätten sogar ein besseres Abitur verdient (wenn man in dieser Liga überhaupt noch von besser sprechen sollte). Denn es war ja kein Problem der Intelligenz oder des Wissens. Vielmehr mussten sie unglaublich viel Energie und Intelligenz dafür aufbringen, wie man denn nun durch die Schule kommt, wenn die elementaren Fertigkeiten der höheren Handlungsfunktionen, der Aufmerksamkeit, des Arbeitsgedächtnisses und der emotionalen Reife fehlen bzw noch nicht dem eigentlichlichen intelektuellem Anspruch entsprechen können.

Nichts-tun ist keine Alternative aber häufig eine zwangsweise eintreffende Realität

Nicht alle Kinder haben das Glück, eine Mutter wie Anita zu haben, die präsent ist und präsent sein kann. Und es kann, präsent zu wirken:

Und die noch dazu offenbar eigene Strategien im Umgang mit den Stärken und Problemen der Exekutivfunktionsstörungen entwickelt und situationsangemessen anpassen kann.

Erfahrene Mütter bzw. Eltern von ADHS-und Spektrum-Kindern wie Anita praktizieren dann ein ein“fordern“, wie sie richtig schreibt. Super.

Das ständige Fordern erfordert aber eben auch, dass man da sein kann.

Ich habe viele  Klienten und Klientinnen, bei denen waren (real oder subjektiv erlebt) die Eltern nicht da. Sei es, weil sie als Ärzte zeitlich involviert waren, einen eigenen Betrieb oder eine Gastwirtschaft betrieben haben oder sich für andere als Lehrer oder Erzieher engagierten und fälschlich davon ausgingen, dass das Kind nun allein schon klar kommen würde.

Die eigene Notlage ihres Kindes nicht gesehen haben, weil sie ja gar nicht auf die richtige Ebene des Problems schauen konnten. Weil sie genug andere Probleme hatten und weil selbst Fachleute, das nicht erkennen.

Besonders schlimm ist es dann, wenn man dann als Kind und Jugendliche nicht Unterstützung, sondern Abwertung, Kritik oder gar kalte Missachtung erfährt. Weil man nicht so funktioniert, wie es zu erwarten ist. Leider die Regel für ADHS-Kinder.
Aus Sicht des Vaters, der Mutter, der Verwandten , im Fernsehen oder der Presse.
Das Nicht-Erkennen bzw. WAHR-Haben und WAHR-Nehmen ist vermutlich sogar noch schlimmer als die blanke Ablehnung. Aber diese Betroffenen haben dann eben nicht allein durch die ADHS-Symptomatik sondern besonders durch diese tief verankerte Hoffnungslosigkeit und Angst vor erneuter Hilfosigkeit bzw. Alleinsein eine zusätzliche psychische Problematik.

Dissoziationen von Können und Ergebnis
Ein weiterer Aspekt der „Intelligenz“ in diesem Zusammenhang ist, dass es zwangsläufig zu einem inneren Schere zwischen den gut funktionierenden kognitiven Fähigkeiten bzw. „intakten“ neuropsychologischen Funktionen und den scheinbar gestörten bzw. leicht irritierbaren Störungen der Exekutivfunktionen bzw. weiterer jeweils syndromtypischer Abweichungen kommt. Anders ausgedrückt : Das Kind ist ja nun nicht in allen Bereichen „gestört“, vielmehr bestehen besondere Stärken und Talente bzw. es besteht eine deutliche innere Diskrepanz zwischen dem eigentlich zu erwartenden Anspruch und der tatsächlichen Ausführung bzw. dem Ergebnis.

In  der Neuropsychologie von erworbenen Exekutivfunktiosstörungen (z.B. nach einem Unfall) wird dies auch als Dissoziation bezeichnet. Die Auswirkungen der Unterschiede zwischen „gesunden“ und betroffenen Funktionen im Gehirn können sowohl beim Klienten, wie auch bei dem Umfeld für Irritationen sorgen.

Manchmal „geht“ es und das Kind kommt zu einem tollen Resultat. Dann „übt“ man und die Ergebnisse werden nicht besser, sondern immer schlechter. Zum Mäusemelken.

Wenn man das aber nicht begreift, bzw. begreifen kann oder will (als Institution Schule), wird man dem Kind bzw. seinen Bezugspersonen nur die Auswahl lassen, sich verbiegen zu lassen und unsinnige bzw. falsche Handlungsstrategien bzw. pädagogische Prinzipien  sich aufdrücken zu lassen oder aber quasi auf „Eigenmodus“ umschalten, wenn denn überhaupt ein Lerneffekt möglich sein soll.

Das Kind muss dann in der Schule es so machen , wie Lehrer X es will. Mit der Wechsel zu Lehrerin Y wird aber ein völlig anderes Prinzip gelehrt. Das fängt schon bei der Unsystematik von Farben von Hefteinbindungen oder aber der Raumzuordnung und Klassenraumwechseln an. Hört da aber noch längst nicht auf.

Leider ist es in der Realität häufig so, dass die Schüler auf Lehrkräfte treffen, deren Exekutivfunktionen aus welchen Gründen auch immer (nicht mehr) auf der Höhe der Zeit sind. Oder gestresst, so dass auch der „Verstand“ bzw. der „Anstand“ nachlässt. Gerade mit diesen Kollegen und Kolleginnen wird es dann aber Reibungsprobleme geben. Meistens ist dann das Kind oder der Jugendliche der Leidtragende bzw. „verliert“.

Mit „Vorbild-Paukern“, die gerecht und berechenbar sind, haben die meisten Kinder mit Exekutivfunktionsstörungen keine Probleme.

Dabei wird durchaus richtig wahrgenommen, dass die Methodik, die Struktur oder das Auftreten des Lehrers oder der Lehrerin inadäquat ist bzw. die Lernmethode nie und nimmer zu einem Erfolg führen kann.

Aber wie soll man sich da als Kind oder Eltern richtig verhalten ?

Im Zweifel wird aber nicht die Lehrkraft ausgetauscht, sondern das Kind ausgeschlossen bzw. aufgegeben.

Alles wäre „leicht“ veränderbar, wenn man sich in der Beschreibung und Behandlung weniger auf Symptome oder Klassifikationen, sondern auf die Ebenen der Funktion bzw. Exekutivfunktionen begeben könnte…

 

Vorbereitung auf ein Lehrergespräch

Diese PDF-Datei sammelt einige Tipps für Eltern von ADHS-Kindern (aber natürlich nicht nur für diese Gruppe) für die Vorbereitung und Durchführung auf ein Lehrergespräch.

Lehrer sind ja auch Menschen. Und daher sollte man bei aller persönlichen Betroffenheit und Sorge um sein Kind eben versuchen, eine möglichst konstruktive und entspannte Gesprächsatmosphäre zu schaffen.Und letztlich erreicht man ja nur gemeinsam und nicht gegen die Schule eine Verbesserung

Angriffe oder ständige Kritik sind sicher da keine so günstige Möglichkeit, um im Sinne einer positiven Veränderung auf die Lehrkraft einzuwirken.

Wie man also die „Pauker“ ins Boot für eine gemeinsame Sache holt, liest man hier.

ADHS: Einige Tips für Schüler und ihre Eltern

ADHS in der Schule Positive Verhaltensregeln

Einem ADHSler muss man klare und konstruktive Verhaltenserwartungen mitteilen und diese auch einhalten bzw. überprüfen. Es bringt wenig, nur auf Störungen zu reagieren oder Appelle auf Besserung in den Klassenraum zu werfen, die verhallen. Vielmehr sollte man positiv formulieren, was man braucht und erwarten kann. Hier eine Liste von Dingen, die ADHSlern gut tun und anderen Kindern nicht schaden. Im Gegenteil. Kinder mit ADHS-Konstitution brauchen keine Extrawurst in der Schule, sie brauchen nur einige eigentlich selbstverständliche Voraussetzungen für guten funktionierenden Unterricht:

Bitte deine Lehrer darum, in der Klasse für Ruhe zu sorgen. Verhalte Dich dementsprechend selber ruhig, damit der Lehrer den Überblick nicht verliert.
Sitze möglichst vorne und an einer Stelle, an der du fokussiert auf die Tafel schaust, ohne abgelenkt zu werden.

Bitte den Lehrer gute Tafelbilder oder verständliche Arbeitsblätter vorzubereiten, die dir die Orientierung und Erinnerung erleichtern.

Sitze neben einem Mitschüler, der oder die aktiv und ruhig am Unterricht teilnimmt und dir ein ruhiges Gefühl „leiht“.

Vereinbare mit dem Lehrer ein Zeichen, wenn du abgelenkt sein solltest oder störst. Dann kann beispielsweise ein kurzer Kontakt (Hand auf die Schulter) ein Zeichen für dich sein, wieder zurück zum Unterrichtstoff zu kommen.

Nutze ein Hausaufgabenheft und schreibe ALLE (ich wiederhole: ALLE) Aufgaben und Mitteilungen des Lehrers oder der Lehrerin auf. Warte nicht bis zum Ende der Unterrichtsstunde, wenn das Klingelzeichen dich eh schon Richtung Schulhof treibt (Anmerkung: Lehrer, die die Hausaufgaben nach dem Klingelzeichen bzw. kurz nach Schluss mündlich ansagen, sollten bei Grundschülern nicht erwarten, dass die Schüler die Aufgaben auch erledigen).

Vereinbare mit dem Lehrer / der Lehrerin, dass es unmittelbare und häufigere Rückmeldungen zu Hausaufgaben bzw. dem Lernerfolg bei Dir geben muss und dies auch frühzeitig und proaktiv (d.h. nicht erst zu den Zeugnissen) an die Eltern rückgemeldet wird. Nicht erledigte Hausaufgaben oder ein Zurückfallen im Lernstoff sind für ADHS-Kinder schwere aufzuholen als für Klassenkameraden.

Wenn du im Unterricht unter starker Unruhe leidest, spricht das Problem mit deinen Eltern an bzw. lasse ggf. die Medikation überprüfen (wenn du Medikamente bekommst). Frage die Lehrerin / den Lehrer, ob du mit Bewegungsaufgaben (Tafel putzen, Hefte austeilen) beauftragt werden kannst oder aber durch Kneten / Drücken eines Gummiballs etc. deine Anspannung etc. loswerden darfst.

Wenn Du aufstehen willst oder musst, mache dies nur mit Erlaubnis des Lehrers.

Wenn Du bei Klassenarbeiten durch Nebengeräusche / Lärm in der Klasse stark abgelenkt wirst, frage ob du die Arbeit in einem Ruheraum schreiben darfst.

Versuche gemeinsam mit den Lehrern bzw. den Eltern ADHS-gerechte Strategien für das Lernen zu entwickeln. Hier kann ggf. eine Lerntherapie als Hilfestellung von aussen hilfreich sein, entsprechende Fertigkeiten beim Lernen zu entwickeln.

Hefte die Arbeitsblätter SOFORT in die dafür farblich für die Fächer passenden Ordner ab.

Nehme nur die Bücher / Aufgabenhefte mit, die du auch wirklich in der Schultasche mitschleppen musst.

Führe eine Checkliste für die Arbeitsmaterialien, die du für die Hausaufgaben mit nach Hause nehmen musst. Lass dies von der Lehrerin / dem Lehrer kontrollieren.

Engagiere Dich AKTIV für Gemeinschaftsaktivitäten. Soziale Fertigkeiten und Kontakte in der Schule kann man durch Theater-AG, Streitschlichter oder andere Arbeitsgemeinschaften oder auch Vereine oder Aktivitäten (Freiwillige Feuerwehr) erwerben.

Nachschlag : Von Nicole habe ich schon vor Jahren 5 Don´t und 10 Do´s zum Unterricht gelesen und jetzt wiedergefunden. Eine Lehrerin mit ADHS-Sachverstand empfiehlt einige Umgangsregeln mit ADHS in der Schule.

Für die Lehrer gilt entsprechend ein Tip aus dem Infoportal des Zentralen ADHS-Kompetenznetzes:

Elf Grundprinzipien für Pädagoginnen und Pädagogen von Kindern mit ADHS:

ADHS bei Kindern: Wenn die Schule Probleme hat

Vorweg: Ob mein Sohn ADHS hat oder nicht, ist bisher nicht festgestellt. Er geht jetzt in die 3. Klasse unserer Grundschule. Ich weiss, dass dort ADHS-Kids anzutreffen sind. Die letzten 2 Schuljahre bzw. seine bisherige Entwicklung in der frühkindlichen Entwicklung, KiGa und auch sonstige Interessen zeigen nicht nur äußerlich, dass er von mir die ein oder andere positive oder nicht so positive Eigenschaft geerbt haben könnte.

Nun gut. Die Einschulung und die ersten 2 Schuljahre bei Frau H. waren überhaupt kein Problem. Nicht, dass mein Sohnemann nun immer ein Musterschüler war. Aber es hat ihm Spass gemacht neue Dinge zu lernen. Und die Lehrerin hat ihre Klasse „im Griff“ gehabt. Sie war präsent, freundlich und eben aktiv.

Nun ja, jetzt kam der Lehrerwechsel und es ist klar, dass die Schüler sich umstellen müssen und es da die ein oder andere Schwierigkeit gibt. Die neue Lehrerin ist um Jahrzehnte älter. Und plötzlich bricht in der Klasse das pure Chaos aus. Da ich nicht vermute, dass sich nun die Sommerferien in einem massiven Unerzogenheits-Schub der Schüler ausgewirkt haben, liegt die Unterstellung nahe, dass es mit dem Lehrerwechsel zu tun haben könnte.

Nun ja, vom Elternabend haben wir deshalb nicht erfahren, weil die Hausaufgaben eher freiwillig aufgeschrieben werden sollen bzw. die Lehrerin eben nicht mehr kontrolliert, ob die Kids nun aufpassen oder nicht. So haben wir keine Einladung erhalten. Von anderen Eltern haben wir aber erfahren, dass es in der Klasse „kocht“. Damit ist gemeint, dass es so laut im Klassenraum zugeht, dass sich einige Mädchen wegen ständiger Kopf- und Bauchschmerzen aus dem Klassenraum verdrücken. Und eben sich überhaupt nicht mehr auf den Stoff konzentrieren können.Jetzt brodelt es auch bei den Eltern, d.h. unser Sohn ist eben kein Einzelfall und in einem Dorf spricht sich sowas schnell herum.

Mein Sohn sitzt wohl in der letzten Reihe neben einem ADHSler. Ein Anruf der Lehrerin warum er denn so verträumt sei, haben wir mit der Empfehlung beantwortet, ihn doch nach vorne zu setzen. Das sagte sie zu, ist aber bis heute nicht passiert. Und laut ist es immer noch. Ein geübtes Diktat konnte Sohnemann nur einmal üben, weil er dann die Schulsachen in der Klasse liess (wie sie es auch machen sollen). Syndromtypisch hat er natürlich die „schweren“ Worte richtig und „einfache“ Worte wie „etwa“ als „etwar“ geschrieben. Was dann 5 Fehler macht.

Die Note ist mir bzw. uns natürlich egal. Aber es tut mir weh, wenn Kids in der Schule eben nicht aufpassen können. Einfach weil ich weiss, dass es in der Klasse weit stärker betroffene Kids gibt.

Leider bestätigt sich hier eine häufig anzutreffende Beobachtung :

In einem Schulumfeld mit Ruhe, strukturiertem Unterricht bzw. eben Führung der Lehrerin bzw. des Lehrers werden sowohl Kinder mit ADHS-Konstitution wie auch die „Stinos“ profitieren. Verändern sich die Umstände bzw. schlicht der Lehrer, werden mit zunehmendem Verlust von Strukturierung eben gerade die Kinder auffällig, die eine ADHS-Konstitution haben, hochsensibel sind oder aber eine Hochbegabung aufweisen. Dann bekommen paradoxerweise gerade diese Kinder, die Indikatorkinder für eine fehlangepasste Unterichtsform sind, die „Prügel“ bzw. ihre Eltern sollen sich rechtfertigen, warum ihre Kinder so sind wie sie sind.

Dies erinnert mich an den realen Fall eines Jungen, der in Bremen an einer Schule seiner Mutter beweisen wollte, welches Chaos in der Mathestunde herrscht. Er hat ein Handy genommen und den Unterricht gefilmt. Woraufhin die Lehrerin ihn wegen des Handys vom Unterricht ausschliessen wollte. Eigentlich müsste man Lehrer vor die Tür setzen dürfen, die schlicht keine Ruhe im Klassenzimmer herstellen können.

ADHS ist da keine Entschuldigung dafür, dass Lehrer in ihrem Job ungeeignet oder überfordert sind. Man kann erwarten, dass sie sich weiterbilden und zeitgemässe Unterrichtsformen und nicht die gleiche Leier über Jahre machen, wo dann schon vorherige Schulklassen drunter leiden mussten.

Um nicht falsch verstanden zu werden : Ich bin sehr wohl der Meinung, dass wir Eltern auch eine Verantwortung dafür tragen, dass ADHS behandelt bzw. strukturiertes Vorgehen und Ruhe geübt und auch konsequent sanktioniert werden. Das gelingt aber nur, wenn auch die Schule ein Umfeld bietet, das Lernen überhaupt erst ermöglicht.

Ruhe !

Attention

Ruhe und Aufmerksamkeit im Unterricht bei ADHS