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ADHS Expert Statement

Zugegeben, die folgende Zusammenstellung ist wohl auch unter der Rubrik politische bzw. sozialmedizinische Lobby-Arbeit zu verstehen. Und nicht zuletzt auch von der Pharmafirma Shire gesponsert.

Lobby-Arbeit ist aber an sich nicht verwerflich, solange die Finanzierung keinen Einfluss nimmt auf die Methodik oder aber die Publikation selber. Und ich persönlich finde, dass wir Lobby-Arbeit in Sachen ADHS brauchen. Schliesslich können die betroffenen Kinder und Jugendliche eben nicht für sich selber Politik machen. Ich möchte halt nur eben auch klar wissen (bzw. darstellen), wer die Auftragsgeber einer Studie sind bzw. wer sie finanziert.

Die dazugehörige Webseite des European Brain Council (EBC) finde ich auch interessant.

Ein White Paper fasst nun die Auswirkungen von ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in der europäischen Union zusammen. Dabei geht es um Bildungschancen, aber auch gesundheistökonomische Kosten von ADHS und nicht zuletzt um die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Familien.

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ADHS Interview

Vor ein paar Tagen habe ich mir ca. 45 Min. Zeit für ein Telefoninterview in Sachen ADHS genommen. Als ich dann einen Ausschnitt zum Lesen bekam, habe ich mich gefragt, mit WEM wohl diese Journalistin gesprochen haben könnte.

Sie schaffte es jedenfalls, in den wenigen Zeilen nicht nur den Sinn auf den Kopf zu stellen, sondern auch noch massgeblich mir Worte in den Mund zu legen, die Methylphenidat nun zur von Ärzten und Eltern geforderten „Wunderpille“ machen. Dabei habe ich davon gesprochen, dass eben eine massgeschneiderte individuelle Förderung und Forderung erforderlich ist. Im Sinne von „Stärken stärken und Schwächen schwächen“.

Manchmal denke ich ja, dass da Bibi Blocksberg und die „rasende Reporterin“ Karla Kolumna vermutich besser recherieren. Mit oder ohne erheblichen eigenen ADHS-Anteil. Ich glaube ja, dass viele Journalisten ADHS haben. Wenn Sie das aber mal wirklich für sich annehmen würden, müssten sie sich ja mit der Frage auseinander setzen, ob sie gesund oder krank sind. Dann lieber davon ausgehen, dass ihre „Macken“ eine Stärke sind und sich die Eltern mal nicht so anstellen sollten.

Ich hatte mir wirklich Mühe gegeben, in verständlichen Worten und Metaphern zunächst zu erklären, was ADHS ist und was nicht. Warum es Kindern mit der neurobiologischen ADHS-Konstitution eben nicht gelingen kann, die Kraft für Daueraufmerksamkeit zu halten, warum die innere Bremse im Bereich der Aufmerksamkeit, der Impulskontrolle und der Emotionssteuerung versagt. Aber eben auch, dass ADHS nicht nur eine Störung, sondern eben eine Veranlagung ist, die nun in Abhängigkeit von den Anforderungen und Unterstützungen des Umfeldes sich unterschiedlich zeigen wird. Wobei man die individuelle Entwicklungsverzögerung bzw. andere Art der Hirnvernetzung beachten muss.

Na ja, das hörte sie sich an, hat sie aber wohl nicht verstehen können / wollen.

Als ich ihr dann eine Korrektur des Entwurfes zurückschrieb und mich darüber beklagte, dass ich mich nun ganz und gar nicht in den Zeilen wiedererkennen würde, war sie beleidigt. Ich solle nicht so persönlich werden.

Ich gebe nicht auf. Vielleicht gibt es ja auch noch andere Journalisten. Das nächste Mal also wieder mit einer „ich-lass-mich-nicht-aus-der-Ruhe-bringen“-Grundhaltung….

ADHS und Zukunftsträume

Heute ist eine Premiere. Ich habe mich einmal etwas weniger über HR Schmidt, als über die angeblichen Befürworter (besser „Lobbyisten“) im ADHS-Bereich aufgeregt.

Hintergrund ist ein Artikel, den man Online in der Frankfurter Rundschau lesen kann, der sich mit dem Marketing von Shire in Sachen ADHS beschäftigt.

Manchmal frage ich mich, ob die Führung bei Shire schlicht die unfähigsten Lilly-Mitarbeiter in Deutschland abgeworben haben und jetzt die gleichen Fehler bei Lilly nochmal machen wollen.

Nun darf ausgerechnet diese stumpfsinnige Konferenz ADHS den Mahner spielen, weil eine Pharmafirma sich schlicht blöd anstellt.

Dann wieder der Name Lehmkuhl. Er könnte inzwischen in Sachen ADHS schon Augenkrebs verursachen, wenn nicht im gleichen Hause noch Döpfner sein (un)Wesen verbreitet. Natürlich ist die Existenz und Häufigkeit von ADHS eben auch oder gerade in Entwicklungsländern (Somalia zählt wohl nicht zu den hochentwickelten Ländern?) belegt. Aber tendentiell wird eben unterstellt, dass ADHS eine Modeerscheinung ist und bleibt.

Und wenn ich Shire und Lilly-Werbung erlebe, bekommt man einmal mehr den Eindruck, dass es da nicht mehr um Therapie geht. Es geht um Marketing und Imagekampagnen.

Zukunftsträume von Shire in Deutschland sind ja nicht der Ladenhüter Equasym retard (Ladenhüter, weil es eben nicht das von den Kassen bezahlte Präparat ist). Der Lobby-Kampagne geht es um den Nährboden für die Einführung von Ampehtaminpräparaten wie Adderall bzw. Vyvanse.

Und sie  schaffen es auch noch, das kaputt zu machen. Eigentlich schade, weil ich persönlich Vyvanse für ein sinnvolles Präparat halte. Fehlt nur noch, dass sie Herrn Wulff zum Marketing-Chef machen …

Wenn die Pharmafirmen nicht endlich begreifen, dass sie Erfolg nicht durch Bezahlung von Professoren oder Politikern erreichen bzw. schlimmer noch es wohl so ist, dass sich Erfolg bei Pharmafirmen durch Bestechung von Professoren und Bezahlung von Politikern erreichen lässt, dann sträuben sich mir die Nackenhaare.

ADHS ist keine Modeerscheinung

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte nimmt jetzt auch Stellung zur derzeitigen ADHS-Diskussion, während das Zentrale ADHS-Netz schweigt. Ausnehmen möchte ich hier Dr. Skrodzki, der sehr engagiert Interviews gibt und Position bezieht. Nicht zuletzt ja auch über die AG-ADHS (der Arbeitsgemeinschaft der Kinderärzte zu ADHS).

Ebenfalls lesenswert die Stellungnahme von Tokol eV als Selbsthilfeverband.

Ich neige ja gerne dazu, „beleidigt“ zu sein oder vielleicht auch zu übertreiben, wenn ich Ungerechtigkeit empfinde. Ein probates Mittel dann nicht destruktiv und nur kritisierend zu werden, ist Engagement in konstruktiver Hinsicht. Ein Mittel dazu wäre es, sich in einer Selbsthilfeorganisation für ADHS zu engagieren. Daher eindringlicher Aufruf an alle Leserinnen und Leser des Blogs: Werdet Mitglieder in einer Selbsthilfeorganisation wie Tokol, ADSev, Juvemus oder ADHS-Deutschland. Gerne auch in mehreren davon und beteiligt Euch aktiv an der Arbeit!

ADHS-Interview

Kaum ein Tag ohne ADHS-Artikel in den Zeitungen. Einen lesbaren Artikel empfehle ich mal hier (Die Mär vom Zappelphilipp).

Ich wurde auch angerufen. Aber so richtig hat sich der Journalist trotz offensichtlichem Interesse die Aussagen nicht merken können 🙂

Könnte es sein, dass sich unter Journalisten auch überzufällig häufig neugierige, aber doch etwas aufmerksamkeitsorignielle Menschen befinden?

Egal. Sowohl die Klinik wie auch die Aussagen von mir sind eigentlich frei erfunden. Die Kernaussage stimmt trotzdem 🙂