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Modellprojekt Angleitete Selbsthilfe für Eltern

Von der Grundidee finde ich es richtig, möglichst niederschwellig Eltern von ADHS-Kindern Informationen und eine Rückfragemöglichkeit zu bieten. Auch oder gerade dann, wenn man nicht mal eben die Zeit bzw. Betreuungsmöglichkeit für seine herausfordernden Kids hat und jede Woche zu einem Elterntraining vor Ort fahren kann.

In diesem Sinne ist ein Modellprojekt von Prof. Döpfner und Mitarbeitern der KJP Köln (hier aus ADHS-Team) interessant, dass wohl in Anlehnung an das THOP-Programm Eltern in 8 Lerneinheiten, die per Post geschickt werden, Informationen gibt und Hilfestellung am Telefon anbietet.

Das Projekt wird wohl von Lilly gesponsert.

Ob es gut oder schlecht ist, weiss man ja bei Forschungsprojekten immer erst, wenn man sie gemacht hat. Insofern unterstütze ich mal das Projekt, zu dem wohl noch einige Teilnehmer gesucht werden (kostenlose Teilnahme).

So der allergrösste Fan vom Döpfner-Programm bin ich ja nicht… Aber da ich die Informationsbroschüren selber nicht kenne : Im Zweifel bin ich erstmal sehr positiv und optimistisch dem Projekt gegenüber….

Anmerkung : Ich persönlich verstehe unter „Selbsthilfe“ andere Sachen bzw. verknüpfe es mit dem Engagement in einer Selbsthilfevereinigung / Selbsthilfegruppe.

Mehr dazu unter der Webseite ADHS-Team

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Positive Effekte von Hintergrundgeräuschen bei ADHS

Unaufmerksame Schüler/-innen mit einer ADHS von externen Reizen abzuschirmen erweist sich meistens als unproduktiv. Die Erfahrungen zeigen schon lange, dass ein gewisses Mass an Hintergrundstimulation bei vielen ADHS-Betroffenen zu einer verbesserten Konzentration führt.

In der Studie: „The effect of background white noise on memory performance in inattentive school children“ vom Herbst 2010 gingen Göran B.W. Söderlund und Mitarbeiter diesem interessanten Phänomen nach. Von science.ORF.at gibt es eine verständliche Zusammenfassung der Studienergebnisse.

Fazit:

  1. Mütter von ADHS-Kindern sollen deren Wunsch nach Musik beim Erledigen der Hausaufgaben ernstnehmen.
  2. ADHS-Schüler/-innen sollte im Unterricht bei Stillarbeiten probehalber erlaubt werden, per Kopfhörer Musik zu hören (wer weiss, vielleicht ist es mit diesen Studienergebnissen in der Hand etwas leichter, Lehrkräfte von ADHS-Kindern für diese Massnahme zu gewinnen. Meistens stiess ich mit diesbezüglichen Vorschlägen bisher nämlich auf Granit).

ADHS Freiburger -Konzept

Wenn man sich mit der Untersuchung der Wirksamkeit verschiedener Therapieverfahren in der Behandlung von ADS / ADHS beschäftigt, kommt man an der sog. MTA-Studie nicht vorbei. Damals hat man die Wirksamkeit von einer vernünftigt eingestellten Medikation bei Kindern mit der normalen hausärztlichen Therapie (einschliesslich Pharmakotherapie) sowie einem wirklich intensivem (verhaltenstherapeutischen) Gesamtpaktet in den USA getestet.

Vermutlich mit dieser Grundidee im Kopf hat man dann in Deutschland eine ähnliche Studie zum Freiburger Konzept bei ADHS im Erwachsenenalter mit und ohne Medikation (also Stimulantien)  gestartet. Grosser Vorteil dieser Studie ist, dass man unabhängig von der Pharmaindustrie Aussagen zur Wirksamkeit von Medikation und / oder Psychotherapie bzw. eigentlich ja Fertigkeitentraining machen kann. Wie man halt feststellen musste, gibt es auch international gesehen wenig Therapieforschung über die nicht-medikamentösen Therapieangebote bei ADHS im Erwachsenenalter

Dabei werden an verschiedenen Zentren in Deutschland (bzw. auch in der Praxis von Frau Dr. Neuy-Bartmann in Aschaffenburg) das DBT-Fertigkeitentraining nach Linehan auf die syndromtypischen Besonderheiten bei ADHS im Erwachsenenalter angepasst. Dieses Programm von Hesslinger und Phillipsen wird dann als „Freiburger Konzept“ bezeichnet.  Einen Vortrag dazu, der schön die nicht-medikamentösen Psychotherapieansätze bei ADHS im Erwachsenenalter auf verhaltenstherapeutischer Grundlage bzw.  achtsamkeitsbasierter Therapie zusammenfasst , findet man hier  und sehr aktuell auf Englisch von einer Tagung in Dänemark von Frau Sobanski hier.

Leider habe ich bisher auf Tagungen immer wieder „nur“ das Design der Studie, aber noch keine Ergebnisse gehört. Das wird sich sicher bald ändern. Von meinen damaligen Patienten habe ich nur ein methodisches Problem mitbekommen: ADHSler haben u.a. deshalb daran teilgenommen, weil eben ein Therapiearm aus der Pharmakotherapie bestand bzw. eben aus dem Fertigkeitentraining. Da dies aber inzwischen relativ bekannt bzw. auch als Buch erhältlich ist (was natürlich die Therapie in der Gruppe nicht ersetzt), sind viele „ausgestiegen“, wenn sie entweder Placebo oder aber die allgemeine Gesprächsgruppe erwischt haben. Was sicher einerseits den „Nutzen“ der Therapie noch weiter verdeutlicht, andererseits die Auswertung nicht leichter machen dürfte.