Häufigkeit von ADHS im Erwachsenenalter in der Allgemeinpsychiatrie

Eine aktuelle Studie zu ADHS im Erwachsenenalter untersucht die Häufigkeit bei Patientinnen und Patienten in der Allgemeinpsychiatrie in Schleswig.

Bei 59 !!!! Prozent der Patienten war eine ADHS-Symptomatik nachweisbar. Gerade beim Vorliegen von „Depressionen“ muss zukünftig viel häufiger an ADHS gedacht werden bzw. dies auch in die Diagnostik- und Therapieroutine einbezogen werden.

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2 Gedanken zu „Häufigkeit von ADHS im Erwachsenenalter in der Allgemeinpsychiatrie

  1. Overthesky

    ADHS läuft einem nicht nur in der Psychiatrie viel häufiger über den Weg, als manch einer denkt. Neulich wieder so eine Fall erlebt, bei dem das ADHS erst im Verlauf sichtbar wurde. Nun gibt es ungefähr 3 Gruppen von Betroffenen mit ADHS : die 1. und zahlenmäßig gemäß meiner Erfahrung geringste Gruppe sind die, die dankbar über eine Diagnose oder zumindest Aufklärung über ihr ADHS sind und hoffnungsvoll dann in die Zukunft schauen, wenn sie endlich wissen, was all die Jahre mit ihnen los war. Die 2. schon zahlenmäßig deutlich größere Gruppe sind diejenigen, die ADHS haben, aber strikt abstreiten, dass bei ihnen ADHS vorliegen könnte und die bei einer Konfrontation damit nur komplett abblocken ..und dann gibt es noch eine 3. Gruppe, nämlich solche, die gar nicht bestreiten, dass sie ADHS haben, die aber dennoch ansonsten ganz und gar nicht mit dem Thema ADHS konfrontiert werden wollen. Gerade erst solch einen Fall erlebt. Meine Kollegin von dem Nebenjob in der Tankstelle, 27 Jahre, äußerlich bildhübsch, aber dennoch immer sehr stark geschminkt (was objektiv nicht notwendig ist), als ich sie etwas genauer kannte, viel es mir plötzlich wie Schuppen von den Augen, was sich da hinter der Maske verbirgt (zum einen äußerlich die Maske, eben Schminke plus ein eigentlich gekünstelter Habitus, der das Impulsive verbergen soll und wohl über längere Jahre verautomatisiert ist), natürlich ADHS. Ich hielt es für eigentlich moralisch geboten, sie auf das Thema ADHS hinzuweisen, auch wenn im Nachhinein der Leidensdruck deutlich geringer zu sein scheint als ich ursprünglich angenommen hatte. Das resultierte dann in einer zwischenmenschlichen Sackgasse und gewissen zwischenmenschlichen Beschädigungen, die ich, so glaube ich, hoffen zu dürfen, ausräumen und kitten konnte. Sie hat nicht mal angezweifelt, dass sie ADHS hat, hat aber ansonsten bei dem Thema nur zu gemacht… von der Biographie her Paradebeispiel für ADHS, mit katastrophal schlechtem Abschluss oder sogar ohne Abschluss von Hauptschule abgegangen und dann Abi auf dem 2. Bildungsweg nachgeholt, was KJP-Erfahrungen angeht anamnestisch auch kein unbeschriebenes Blatt.
    Anderes Beispiel: die Ehefrau meines besten Freundes, Leidensdruck durch ADHS dort größer als Null, aber eher marginal, auch sie hat gar nicht angezweifelt, dass sie ADHS hat, hat aber ansonsten auch rein gar nichts von dem Thema wissen wollen.
    Ich wage mal die Hypothese, dass diese 3. Gruppe der ADHS-Betroffenen, die gar nicht anzweifeln, dass sie ADHS haben, aber ansonsten eine Beschäftigung mit ADHS für sich selbst für irrelevant halten (das kann zum einen eine tatsächliche Einschätzung als irrelevant sein, zum anderen aber auch vielleicht oft die Scheu und Angst, dass dadurch alten Wunden wieder aufgerissen werden), vor allem Betroffene sind, die insgesamt relativ gut im Leben stehen, keine sozial isolierten chronischen Psychiatrie-Patienten sind, Leute sind, die zwar ihre Probleme haben, aber die ansonsten im Leben insgesamt vorankommen. Dafür kenne ich nun mindestens 3 Beispiele dafür.

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  2. Overthesky

    hier der Link zur Studie auf pubmed, leider mit Zugangsbeschränkung:
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29490380
    Wie doch die Prognose von Barkley, wonach sich ADHS irgendwann mal als das zentrale Thema in der Psychiatrie herausstellen wird, das für so ziemlich alles dort verantwortlich sein KANN (nicht muss)…
    Ich glaube aber, dass ADHS in der Psychiatrie bzw. Allgemeinpsychaitrie deshalb so häufig ist, weil ADHS die mit Abstand häufigste Hirnentwicklungsstörung ist. Wieso ist ADHS so häufig und die mit Abstand häufigste Hirnentwicklungsstörung? Antwort: Wegen den evolutionären Selektionsvorteilen , die mit ADHS und mit ADHS-Genen einhergehen. Eine Störung, deren verursachende Gene nicht nur Mist , sondern auch positive Aspekte verursachen, ist deshalb umso häufiger. Vergleiche Prävalenzen von ADHS und Autismus-Spektrum-Störungen: ADHS 8%-10% ( in Deutschland) versus ASS 1%-2% , es ist naheliegend, welche Störung bzw. „Störung“ bzw. „Konstitution“ sich in der Evolution eher durchgesetzt hat. Dass ADHS in manchen Ländern ein mehrfaches so häufig ist, wie in Deutschland … Ich habe mich in Freiburg mit einer Griechin angefreundet, die ist 37 , wurde mit Anfang 20 ungeplant schwanger, ihre jetzt Teenager-Tochter lebt beim Vater, weil sie krankheitsbedingt (Stichwort Allgemein-Psychiatrie) nicht genügend Kräfte hatte, die Tochter zu erziehen. Hat zweimal ein Jura-Studium abgebrochen. Hatte sofort sie irgendwie vertraut und sympathisch gefunden. Natürlich hat sie ADHS …. nebenbei: griechische Patienten in somatischen und psychiatrischen Krankenhäusern , insbesondere in der Psychiatrie ist da ein Screening auf ADHS obligat und die Zahl knapp 50% hat sich für mich im Verlauf voll bestätigt. Und wieso hat wohl der Varoufakis bei den anderen EU-Politikern immer so angeeckt , natürlich AUCH (aber nicht nur) wegen ADHS , P:

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